Verabschiedung in den Ruhestand von Pfarrer Andreas Kahnt

Abschied von der Kirchengemeinde Apen

Alles hat seine Zeit

„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ So steht es im biblischen Buch des Predigers im 3. Kapitel. Dann folgen viele Beispiele, was im Laufe eines Lebens seine Zeit hat. Was fehlt, sind Anfang und Ende. Da steht wohl: „Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit.“ Aber zwischen Geburt und Tod gibt es ja vieles, was begonnen wird und irgendwann einen Abschied findet. Dazu gehört im Berufsleben eines Pastors ganz sicher die Aufnahme des Dienstes in einer Kirchengemeinde und am Ende der Abschied von der Gemeinde. Kein Wunder also, dass im Prediger-buch davon nichts steht; Pastorinnen und Kirchengemeinden gab es zur Zeit des Predigers schlicht noch nicht.

Als ich im Oktober des Jahres 2023 mein Pfarramt in der Kirchengemeinde Apen antrat, war der Plan, bis Ende 2026 zu bleiben und vielleicht sogar noch ein halbes Jahr dranzuhängen. Soviel Zeit sollte sein. Aber es kam anders. Gesundheitliche Gründe zwangen mich, über ein vorzeitiges Ende nachzudenken. Nun ist die Zeit gekommen, Abschied zu nehmen.

Schaue ich auf die Zeit in der Kirchengemeinde, stelle ich fest: Die Zeit war gefüllt. Aber manches, was ich mutig und zuversichtlich begann, hatte seine Zeit schon hinter sich, ehe sie recht begann. Aus der Viel-zahl möchte ich drei Themen aufgreifen.

Das erste betrifft die Einheit der Kirchengemeinde. Als Neuling mit einem ungetrübten Blick von außen stellte ich schnell fest, dass die Gemeindeglieder auf ihren Bezirk und auf ihren Kirchraum konzentriert sind, aber keinen Blick für die Einheit der Gemeinde haben. Was in einem Bezirk geschieht, interessiert die Menschen in den anderen Bezirken wenig oder gar nicht. Diesen Eindruck, es in Apen mit fünf Kirchengemeinden statt mit einer Gemeinde zu tun zu haben, wurde ich nicht müde, im Gemeindekirchen-rat, bei Besuchen oder in Gemeindegruppen anzusprechen. Am Ende meiner Zeit hat sich mein Ein-druck nicht nur bestätigt, sondern wird von der viel weitergehenden Realität überholt: Die Kirchengemeinde Apen wird zukünftig eng mit den Nachbargemeinden verknüpft sein, um kirchliches Leben zu gewährleisten; Bezirke werden keine Rolle mehr spielen. Die Zeit, in der es ein geordnetes Gegenüber zwischen Pastor und Gemeinde gab, ist vorbei. Wovon ich in meiner Kindheit und Jugend geprägt wurde und was mein Berufsleben weitgehend bestimmte - es hatte seine Zeit.

Ein zweites Thema, das ich aufgreifen möchte, betrifft die Erhaltung der St. Nikolai-Kirche. Dort habe ich die meisten Gottesdienste feiern dürfen, weshalb ich für diese Kirche eine besondere Verantwortung empfand. Dass sie sich in keinem guten Zustand befindet, ist sichtbar und bekannt. Der Versuch, an einigen Stellen Abhilfe zu schaffen, ist durch die Corona-Pandemie ausgehebelt worden. Daran wollte ich anknüpfen, die notwendigen Arbeiten neu in den Blick nehmen und gemeinsam mit dem sehr engagierten Bauausschuss während meiner Zeit ab-schließen. Es kam anders. Auch dieses Vorhaben hatte seine Zeit schon hinter sich, ehe sie recht begann. Durch die sich verändernde personelle Situation im Pfarrdienst sah ich mich gezwungen, den Vor-sitz des Gemeindekirchenrates und die Geschäftsführung der Kirchengemeinde zu übernehmen. Das war weder mein Plan noch mein Ziel, und es hatte zur Folge, dass wichtige Aufgaben, für die ein Pastor eigentlich ausgebildet und berufen ist, oftmals hintanstanden. Obendrein blieben die notwendigen Arbeiten an und in der St. Nikolai-Kirche auf der Strecke. Aber auch bei diesem Thema haben neue Gegebenheiten die Realität inzwischen überholt. Alle Gebäude der Kirchengemeinde inklusive der Kirchen sind im Rahmen eines sogenannten Gebäudeeffizienzplans zu begutachten und auf die Notwendigkeit ihres Bestandes hinsichtlich ihres Bedarfs, ihrer Klimafreundlichkeit und ihrer Finanzierbarkeit zu prüfen. Die Zeit, in der ausreichend Geld da war, um viele Gebäude zu unterhalten, ist vorüber.

Das dritte Thema, das ich erwähnen möchte, hängt mit meinem Selbstverständnis als Pastor zusammen. Wesentlicher Teil davon ist die theologische und liturgische Arbeit, also die intensive Beschäftigung mit den Grundlagen des christlichen Glaubens und der Feier des Glaubens in Andachten und Gottesdiensten. Den Gedanken, die Lektorinnen und Prädikantinnen der Kirchengemeinde regelmäßig zusammen-zuführen, sie fortzubilden und in ihrem unverzichtbaren Dienst am Evangelium von Jesus Christus ernst zu nehmen, musste ich rasch aufgeben. Es fehlte einfach die nötige Zeit. Dasselbe gilt für die aktive Beteiligung von Jugendlichen im Gottesdienst. Auch An-dachten im Pflegeheim ließen sich nicht im erforderlichen Umfang durchführen. In all diesen Punkten hätte ich mir mehr Zeit gewünscht. Denn auch hier hat die Realität die hergebrachten Vorstellungen überholt: Am Anfang meiner Zeit gab es drei Pfarr-stellen in der Gemeinde, am Ende sind es noch zwei. In dieser Situation ist das Engagement vieler Menschen in der Gemeinde notwendig, den Glauben zu bedenken und zu feiern. Jugendliche daran zu beteiligen, braucht ein besonderes Augenmerk und die nötige Zeit.

Obwohl meine Zeit als Pastor der Kirchengemeinde anders verlief als gedacht, war es doch eine gute Zeit. Die meisten Menschen haben es mir leicht gemacht, mich zurechtzufinden und mich wohl zu fühlen. Den engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fühlte ich mich schnell verbunden. Im Gemeindekirchenrat wurde viel und intensiv gearbeitet, den schwierigen und mitunter belastenden Themen, die ihm von außen aufgedrängt wurden, zum Trotz. Bestimmt bin ich nicht allen Erwartungen und Bedürfnissen gerecht geworden. Auch das hat seine Zeit: Sich daran abzuarbeiten, was ärgert oder was enttäuscht. Aber auch das: Hinter sich zu lassen, was war, und in Frieden auseinanderzugehen. Nicht umsonst ist Frieden das letzte Wort des Segens, das am Ende eines jeden Gottesdienstes auf die Menschen gelegt wird.

„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde!“ Meine Zeit im kirchlichen Dienst geht nun nach 37 Jahren zu Ende. Für diese Zeit bin ich sehr dankbar, und das schließt auch meine Zeit in der Kirchengemeinde Apen ein. Es war eine Zeit, von Gott geschenkt. Denn es ist ja Gottes Zeit, in der der Mensch sich bewegt. So Gott will, wird Zeit sein, den Glauben der Menschen in der Kirchengemeinde auch unter sich verändernden Bedingungen zu stärken und zum Leuchten zu bringen - ehe die Zeit aufgeht in Gottes Ewigkeit.

Andreas Kahnt


Zum Gottesdienst zur Entpflichtung von Pfarrer Andreas Kahnt aus seinem Dienst, durch Kreispfarrer Dr. Urs Muther und zum anschließenden Beisammensein am Sonntag, den 21. Juni 2026 um 14 Uhr in der St.-Nikolai-Kirche zu Apen, lädt der Gemeindekirchenrat herzlich ein!

 

 

 

 

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